Die Kraft der Prinzessin auf der Erbse

April 22, 2017

Als Hochsensible ist es mir ein enormes Anliegen, dieses Thema breiter in die Öffentlichkeit zu tragen.

 

Sind wir beeinträchtigt? 

 

Zugegeben, wir fühlen uns manchmal, als stammten wir von einem anderen Planeten. Wir betreten den Raum und checken innerlich sofort die Lage. Können spüren, dass der Typ da hinten links irgendwie Angst hat und halten uns ein Ohr zu, sobald ein Krankenwagen vorbei fährt. Wir verlieren manchmal den Faden unseres Gesprächs, sollten wir in einem belebten Café sitzen. Unser Immunsystem wird schnell geschwächt und wir reagieren sonnenallergisch. Oder pollenallergisch. Oder beides. Wir können Bilder malen wie Frida Kahlo und hören in Songs jede kleinste Note heraus. Wir sind irritiert von Geruchsunterschieden und perfektionistisch. Wir wirken ernst und suchen nach dem tieferen Sinn. Wir sind rascher erschöpft und brauchen Zeit zur Regeneration.

 

Sind wir also womöglich ... krank? 

 

 

 

Wohl kaum! Ich habe sehr lange gebraucht, um Hochsensibilität vor allem als Geschenk zu verstehen und: anzunehmen. Zum Teil zweifle ich manchmal selbst noch. Denn Hochsensibilität birgt Last. Sie verunsichert, isoliert und lässt eigene Zweifel wachsen. Unreflektiert fühlt man sich schwach, als könne man nicht mithalten. Man versucht, sich zu verbergen. Und doch bietet hohe Empfindsamkeit eine große Chance!

 

Potential erkennen und Frieden schließen

 

Hochsensibilität bedeutet nicht, bei jedem Mist in Tränen auszubrechen und permanent gefühlszerschlagen in der Ecke zu liegen. Wir verarbeiten Information einfach anders! Unser Wahrnehmungsfilter funktioniert anders; wir sind leicht überstimuliert, empfinden intensiv und denken komplex.

 

Dieses gründliche Verarbeiten von Eindrücken führt sehr häufig auch dazu, dass Hochsensible in Freundeskreisen geschätzt werden für ihre Intuition und ihren Perspektivwechsel, ihre Arbeit als Berufung verstehen und voll in ihr aufgehen oder dass sie als gute Mediator*innen fungieren können, weil sie Stimmungen in Gruppen zügig erfassen.

 

Zusammenschluss macht stark!

 

Man fühlt sich oft allein in seiner Wahrnehmung und als sei man weniger gut. Oben sind Beispiele angeführt, die natürlich nicht bedeuten, dass jeder hochsensible Mensch diese Erfahrungen macht / gemacht hat. Als hochsensibler Mensch habe ich mich seltsam gefühlt, schon immer. Als würde ich nicht hineinpassen und mich in vielen Situationen gefragt: "Kriegt das eigentlich hier sonst keine*r mit? Hallo?"

 

Ich spreche in der Wir-Form, weil ich Unterstützung, Solidarität bekunde und überzeugt bin, dass Hochsensibilität mehr Forum, mehr Zusammenschluss braucht. Und weil ich ganz genau weiß, wie schwierig es sein kann, sich abzugrenzen, um nicht überwältigt zu werden.

Diese Rubrik will zeigen, welcher Umgang mit der Thematik möglich werden kann, Besonderheiten anerkennen, nicht abtun als Label, sich ausruhen auf "Diagnosen"; sondern verstehen, hervorgegangenen Schmerz lindern und Stärken stärken.

 

 

 

Auf Eiern um Hochsensible tänzeln? Fehlanzeige! Hochsensibilität hat enorme Vorteile und setzt ungeahnte Kräfte frei, in den Betroffenen selbst und in der Wirkung auf andere. Einen zauberhaften Ted Talk in englischer Sprache dazu bietet die selbst ernannte Prinzessin Elena Herdieckerhoff in Paris, die Sätze wie "Nimm dir nicht alles zu Herzen." auch nicht mehr hören konnte. 

 

 

 

 

Elena's Story: http://www.entreprincess.com/about.html

 

Zum Einstieg ins Thema ein Vorzeigebuch, das Standardwerk zu Besonderheiten, Aufklärung und Umgang von Georg Parlow: "Zart Besaitet" (2003), Festland Verlag Peternell-Eder, Wien. 

 

 



 

 

 

 

 

 


 

 

 


 

 

 

 

 

 

 

 

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